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Wiedereröffnung von Botschaften USA und Kuba

Die diplomatische Eiszeit scheint ein definitives Ende zu haben und die letzten Überreste des Kalten Krieges tauen im Verhältnis der USA zu Kuba weg, während durch die Ukraine eine neue Krise die Ost-West-Beziehungen weiter belastet.

Blick in die Vergangenheit: Kubas Rolle im Kalten Krieg

1959 nahm die kubanische Revolution ihren Anfang und wurde besonders von den Fidel-Brüdern und dem charismatischen Che Guevara getragen, dessen Gesicht auch nach so vielen Jahren immer noch auf zahlreichen T-Shirts prangt oder als Kunstdruck inzwischen Kultstatus erlangt hat. Zwei Jahre nach Beginn der Revolution etablierte sich ein sozialistischer Staat, der direkt vor der Haustür des mächtigen Nachbarn USA lag, und damit nicht nur eine ideologische Schwierigkeit für den großen Vertreter des freien Marktes darstellte. Kuba zog den Besitz von amerikanischen Firmen und Bürgern ein und führte damit ein Handelsembargo herbei, was die Wirtschaft des Landes ins Wanken brachte und eine Auswanderungswelle vieler Kubaner nach Florida auslöste. Zudem stellte sich die Regierung unter den Schutz der damaligen Sowjetunion, die die strategische Lage der Insel sofort erkannte und dort Raketen stationierten (1962). Die sogenannte Kubakrise rund um die Schweinebucht ist vielen Menschen als einschneidendes Erlebnis im Kopf geblieben und schürte die Angst vor einer atomaren Katastrophe.

Blick in die Zukunft: Kuba als neuer, außenpolitischer Partner der USA?

Seit 1992 hat sich die Insel dem Tourismus geöffnet und sich in den karibischen Wirtschaftsraum integriert, sodass die Wirtschaft sich nach dem Zusammenbruch der UdSSR langsam wieder erholt. Zwar hat die Hurrikanperiode von 2008 schwere Schäden angerichtet, aber seit 2012 verbessert sich die wirtschaftliche Situation stetig und Unterernährung und Hunger auf der Insel gehen zurück. Seit Dezember 2014 sind Verbesserungen in den Beziehungen zu den USA für die Weltöffentlichkeit offensichtlich: Gefangenenaustausche haben stattgefunden, Kuba ist von der Liste der Terrorismus unterstützenden Staaten genommen worden und damit werden viele Sanktionen gegen das bitterarme Land zurückgenommen. Seit dem 20.07.2015 gibt es in beiden Ländern wieder Botschaften des jeweils anderen Staates und diese Entwicklungen lassen darauf hoffen, dass sich die Situation gerade für die Bevölkerung verbessern wird.

Der Blick der Welt auf Kuba: Urlaub, Zigarren und Buena Vista Social Club?

Seit Kuba eine Touristendestination geworden ist, hat sich der Blick der Welt auf den kleinen Staat verändert: Zum einen hängt ihm ein gewisser sozialistischer Pathos nach, zum anderen gilt er als günstiges Ziel in der Karibik für sonnenhungrige Europäer. Havanna hat mit seiner alten Bausubstanz einen ganz eigenen Charme, kubanische Zigarren sind ebenso legendär wie der Buena Vista Social Club mit seiner mitreißenden und authentischen Musik, die aus der kubanischen Seele zu kommen scheint. Das kann leicht darüber hinwegtäuschen, dass weite Teile der Bevölkerung von etwa 20 Dollar pro Monat leben sollen. Für die Zukunft wäre Kuba zu wünschen, dass es von den Fortschritten in der Außenpolitik profitieren kann und zu der faszinierenden und leichtlebigen Insel wird, die in den Hochglanzbroschüren präsentiert wird.